Market Timing bedeutet, den Markt schlauer als alle anderen ein- und auszuschätzen: kaufen am Tief, verkaufen am Hoch. Die Idee ist verführerisch. Das Problem ist nur: In der Praxis funktioniert sie fast nie.
Die Idee klingt vernünftig – und scheitert trotzdem
Um mit Timing zu gewinnen, müssten Sie gleich zweimal richtig liegen: beim Ausstieg und beim Wiedereinstieg. Schon einen dieser Punkte verlässlich zu treffen, gelingt kaum jemandem. Beide zu treffen, über viele Jahre hinweg, gelingt praktisch niemandem – auch professionellen Investoren nicht.
Die besten Tage folgen auf die schlechtesten
Das ist der entscheidende Punkt: Die stärksten Börsentage liegen historisch oft unmittelbar neben den schwächsten – mitten in turbulenten Phasen. Wer aus Angst aussteigt, ist genau dann nicht dabei, wenn die Erholung kommt. Schon das Verpassen einer Handvoll der besten Tage über viele Jahre kann das Endergebnis erheblich schmälern. An der Seitenlinie zu warten ist also keineswegs „sicher" – es ist ein eigenes Risiko.
Niemand trifft den Tiefpunkt zuverlässig
Im Rückblick wirkt jeder Tiefpunkt offensichtlich. Im Moment selbst ist er es nie: Am Tief fühlt es sich an, als ginge es ewig weiter abwärts – sonst wäre es kein Tief. Genau deshalb verkaufen viele unten und kaufen oben. Nicht aus Dummheit, sondern weil Emotionen in diesen Momenten am stärksten sind.
Die Alternative: Zeit im Markt
Die unspektakuläre, aber langfristig meist überlegene Strategie: regelmäßig und automatisiert investieren, unabhängig von der Tagesform der Märkte. Wer in festen Abständen kauft, erwischt mal höhere, mal niedrigere Kurse – und nimmt die Emotion komplett aus der Entscheidung. „Zeit im Markt schlägt das Timing des Marktes" ist deshalb kein Spruch, sondern eine der am besten belegten Erkenntnisse der Geldanlage.
Wann Warten doch sinnvoll ist
Eine wichtige Abgrenzung: Es gibt gute Gründe, nicht sofort alles zu investieren – etwa wenn der Notgroschen fehlt, teure Schulden bestehen oder das Geld in absehbarer Zeit gebraucht wird. Das ist kein Timing, sondern Bedarfsplanung. Der Fehler liegt nicht im Abwarten an sich, sondern im Warten auf den vermeintlich perfekten Moment.
Fazit
Den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht – und ihn zu suchen, ist teurer als die paar Prozent, die man am „idealen" Einstieg sparen würde. Wer einen einfachen Plan diszipliniert durchhält, schlägt langfristig fast immer den Versuch, klüger als der Markt zu sein.
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Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Finanzbildung und stellt keine individuelle Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Es werden keine bestimmten Renditen versprochen. Historische Entwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. Kapitalanlagen sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden.